
Eltern berichten uns, dass die anhaltende Hitzewelle in Stuttgart einschneidende Veränderungen für Kinder und Familien mit sich bringt. Schulen geben Hitzefrei, Kitas verkürzen die Betreuungszeiten. Sportvereine streichen das Training. Kulturveranstaltungen, Kinder- und Straßenfeste werden abgesagt. Bewegung im Freien ist kaum mehr möglich.
Man muss sich nur umschauen: Straßen und viele Plätze in Stuttgart sind wie ausgestorben. Schattenlose Beton- und Asphaltflächen sowie die vielen parkenden Autos tragen maßgeblich dazu bei, den städtischen Raum enorm aufzuheizen. Für die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Stuttgart sind große Teile des öffentlichen Raums damit faktisch nicht mehr nutzbar. Das gilt besonders für Ältere, Menschen mit chronischen Krankheiten, Schwangere, Obdachlose, im Freien arbeitende und eben auch Kinder.

Grundrechte von Kindern wie die Teilnahme am öffentlichen Leben, selbstständige Mobilität und sogar das Recht auf Bildung sind durch unzureichende Hitzeschutzmaßnahmen damit bereits heute nicht mehr gesichert.
Die Temperaturen sind keine Ausnahmesituation, die wieder vorübergeht. Es ist die neue Realität unserer Sommer. Die Zahl der Hitzetage wird weiter zunehmen. Die Hitze führt uns vor Augen, wie wenig unsere Stadt bislang an diese Herausforderung angepasst ist. Und sie zeigt auf, wie viel weniger Platz und Aufenthaltsräume Kinder in der Stadt zukünftig haben werden.Wenn Stuttgart auch in den Sommermonaten als lebenswerte, menschenfreundliche Stadt für alle großen und kleinen, alten und jungen Bürger*innen erhalten bleiben soll, müssen Politik und Verwaltung darauf entschlossen reagieren.
Die Stadt Stuttgart hat schon einen Hitzeplan erarbeitet, auf dem sie aufbauen kann. Aus Sicht der Kidical Mass drängen sich weitere Maßnahmen auf, um der gefährlichen Hitze die Stirn zu bieten:

- Ein Mobilitäts-Paket gegen Hitze:
- Tempo 30 flächendeckend in der Stadt
- Hitzesensitive Ampelschaltungen zugunsten von ungeschützten Verkehrsteilnehmenden wie Fußgängern und Radfahrenden
- Zügiger Ausbau geschützter Rad- und Fußwege
- Kostenloses Jugendticket für alle Stuttgarter:innen unter 18 Jahren
- Flächendeckender Aufbau von Wasserspendern & Sprühnebelstationen insbesondere an Hitzeinseln, in Fußgängerzonen und auf Schulhöfen
- Beschattung von engen Straßen, Plätzen, Schulhöfen und Spielplätzen durch Segel oder Schirme
- Ein Bäume-statt-Parkplätze-Programm: Bäume spenden Schatten und kühlen die Umgebung durch Verdunstung. Parkende Autos heizen die Umgebung hingegen um mehrere Grad auf
- Die Mittel für Klima- und Hitzeschutz (z.B. KLIMAKS & Hitzeaktionsplan) deutlich erhöhen und verstetigen